Wohltäter der Stadt

 
Die folgenden Kapitel sind auszugsweise der Chronik
„Die Stadt Freiwaldau vom Jahre 1574 bis zur Hälfte dieses Jahrhunderts“
entnommen,  die 1897  im Verlag A. Blazek , Freiwaldau, erschienen ist.
Die Chronik wurde „allen ehrsamen Besuchern der
 Alterthums-Ausstellung
gewidmet und verfasst von einem Greise“.

Martin von Gerstmann
In erster Linie muss wohl des Fürstbischofs von Breslau, Martin von Gerstmann, geboren am 1. März 1527, Sohn des Tuchmachers und Bürgermeisters Christof Gerstmann in Bunzlau, dieses edlen Mannes, welcher nur durch sehr kurze Zeit von 1574 bis 1585 den bischöflichen Stuhl in Breslau inne hatte, erwähnt werden, der den sämtlichen Hausbesitzern von Freiwaldau und zwar jedem einzelnen durch ein feierlich verbrieftes Privilegium für immerwährende Zeiten, jenen am Ring 9 Klaftern = 27 jetzige Raummeter, und allen andern außerhalb des Ringes alljährlich 6 Klaftern = 18 jetzige Raummeter weiches Leibholz aus seinen Wäldern schenkte, und hatten die Bezugsberechtigten nur allein den Holzmacherlohn mit wenigen Kreuzern zu bezahlen.
Mit weiterem Privilegium verlieh er der Gemeinde Freiwaldau und den Ringsbürgern derselben das sogenannte Propinationsschank- und Bräu-Recht (ausschließliches Brau- und Schankrecht) und speciell den Ringsbürgern das auf ihren Häusern gegenwärtig noch am Besitzstandsblatte des Grundbuches eingetragene Weinschanksrecht, und endlich mit einem Privilegium der Gemeinde Freiwaldau 6 Bäckereigerechtigkeiten und eben so viele sogenannte Schuh- und Fleischbänke und wurden diese Gerechtigkeiten, Schuh-und Fleischbänke, für so sicher gehalten, dass selbst sogar Waisengelder darauf geliehen wurden.

Fürstbischof von Breslau
Als eines weiteren Wohlthäters der sogenannten Ringbürger der Stadt Freiwaldau muss des Fürstbischofs von Breslau Johann Christian Franz Ignaz, Reichsfürst zu Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein gedacht werden, der den bischöflichen Stuhl von 1795 bis 1817 inne hatte, welcher in manchen Jahren seinen Sommeraufenthalt in Freiwaldau nahm. Vor seinem Schlosse in Freiwaldau befand sich auf dem heutigen Schlossplatz im weitesten Umfange eine Umfassungsmauer, welche einen Hof bildete. Das derzeitige Wohnhaus des ehrsamen fb. Herrn Forstmeisters waren Pferdeställe; auf der Rasenfläche des katholischen Kindergartens befanden sich die umfangreichen Rindviehställe und das Haus des kath. Kindergartens selbst war die Schaffnerwohnung.
Am 1. Jänner jeden Jahres mussten die sämtlichen dienstfähigen Mägde und Knechte aus den Gemeinden Böhmischdorf, Buchelsdorf, Adelsdorf und den Haugemeinden nach dem nachmittägigen Gottesdienste auf dem umfangreichen Hofe des Schlosses erscheinen, wo der Schaffner dieselben musterte, und sich sein Personal an Knechten, Mägden und Hirten auswählte, welche dann ohne Weiteres am Hofe aufziehen mussten, welches sie sehr gern thaten, da der Lohn und die Kost gut und die Behandlung eine liebevolle und freundliche war. Wenn nun die fürstbischöflichen Hirten das Vieh auf die umfangreichen Weideplätze, auf die sogenannten Hofestücke, welche Wiesen in der Nähe von Niederlindewiese, Bieberteich, Dittershof und Buchelsdorf und in den sogenannten Schleifgärten in Dittrichstein lagen, von der Krippe ab, und mengten es unter die fürstbischöfliche große Herde. Die Hirten nahmen es auf die Weideplätze mit, wo es ganz unentgeltlich beaufsichtigt, geweidet und abends den Eigenthümern wieder zu Hause gebracht wurde.

Die Frauen der Gebrüder Saß

Als Wohlthäterinnen der Stadt Freiwaldau müssen die ehrsamen Frauen der Gebrüder Süß, Bergwerksbesitzer an der Goldkoppe, betrachtet werden, welche im Jahre 1507 das auf der Hintergasse, gegenwärtig Bahnhofsstraße in Freiwaldau befindliche Bürgerspital, gegenwärtig städtisches Armenhaus, erbauen ließen, mit dem nöthigen Fond versahen, und in einem Stiftsbriefe bestimmten, dass für immerwährende Zeiten sechs verarmte Bürger und sechs Bürgerinnen in bestimmten Jahren vollständig bekleidet werden, und ihre unentgeltliche Wohnung in diesem Spitale haben sollen.

Baron Nikolaus Wesselenyi
Kommt auch der Chronist auf das Jahr 1839, so findet er in Freiwaldau einen Mann von größter Opferwilligkeit, den ehrsamen Baron Nikolaus Wesselenyi, eines reichen Magnaten aus Klausenburg, welcher auf seine Kosten die Wasserleitung in Freiwaldau erbauen ließ, welche jedoch bis in die Neuzeit Holzröhren hatte.
Derselbe schuf auch eine Gartenanlage mit einer Wasserleitung, den sogenannten Wesselényi-Garten, gegenwärtig Versammlungsplatz des Eislauf-Vereines.

Frau Babette Raymann

Auch der ehrsamen und höchst geachteten Ehewirtin dieses genannten Herrn Bürgermeisters, Frau Babette Raymann, geb. den1 9. November 1776, gest. den 22. Mai 1859 muss erwähnt werden, welche es nicht unter ihrer Würde hielt, im immerwährenden Fleiße ihres Lebens, zur Zeit, als beim Brande am 9. October 1841 ihr Haus beschädigt worden war, und dasselbe wieder aufgebaut wurde, den Maurern die Ziegel auf dem Gerüst zuzureichen.

Stadtpfarrer Johann Rother

Als im Herbste 1804 in Freiwaldau in Folge von Wetterschäden und unfruchtbaren Jahren sowie Mangel an allen Verkehrsmitteln eine große Theuerung entstand, so dass am 23. Juli 1805 der Scheffel Korn in Freiwaldau 23 fl. kostete, so ließ der damalige ehrsame hochw. Herr Johann Rother, fb. Commissär, Schuloberaufseher, Erzpriester und Stadtpfarrer in Freiwaldau in dem strengen Winter vor dem Jahre 1805 in seiner Pfarrei Brot backen, vertheilte dieses unter die Armen, errichtete auf seine eigenen Kosten eine Suppenanstalt in der Pfarrei, ganz in dem Sinne, wie die ehrsamen Frauen und Jungfrauen von Freiwaldau eine gegründet haben, kaufte armen Kindern Strümpfe, ließ auch Schuhe anfertigen, wovon sich noch ein Paar im gegenwärtigen Kirchenknopfe befindet, und welche mit Zuckerschnüren zum Zubinden waren.
Mit Recht nannte diesen edlen Priester sein Leichenstein auf dem alten aufgelassenen Friedhof :

"Du Vater der Armen, Witwen und Waisen, du Stütze der Lehrer, schön hast du gelebt im langen Laufe der Zeiten."

Während der Amtsthätigkeit dieses ehrsamen genannten Herrn Bürgermeisters entstand eine große Wasserfluth in Freiwaldau, wodurch die Bewohner der Kaulwiesen, der gegenwärtigen Berg- und Schützenstraße, sowie sämtliche Bewohner des heutigen Dorf Freiwaldau durch Wegreißen jeden Steges und jeder Brücke von der diesseitigen Stadthälfte absolut gänzlich abgeschlossen wurden.
Damit nun unter den Bewohnern der entgegengesetzten Seite nicht eine Hungersnot  entstände, da diese Flut längere Zeit anhielt und die kleinen Vorräthe der Abgeschlossenen bald verzehrt waren, so ließ der genannte Herr Bürgermeister Brot backen, in eine Seil-Schlinge einhängen und in der Nähe der Centrale der ehrsamen Herren Regenhart & Raymann über den Bielafluß unter die Bewohner der anderen Seite hinüberschleudern. Dieses Einschlingen geschah zu dem Zwecke, damit nicht etwa in Folge eines ungeschickten Werfens ein Brot ins Wasser falle und seinen Zweck verfehle.
Kähne konnten wegen der reißenden Fluten nicht in Anwendung gebracht werden, zudem war es auch nicht räthlich, wegen Mangel von Ruderkenntnissen das Leben der Gefahr auszusetzen.

Corporal Franke
Auch der drei Diener der Gemeinde Freiwaldau durch die verschiedenen Zeiten soll gedacht werden, und zwar des alten Corporals Franke, der eine lange Militärdienstzeit hinter sich hatte, und vom ehrsamen Herrn Bürgermeister zum zu welchem Zwecke er am Letzten eines jeden Monats in jedem Hause erschien, salutierend grüßte, in militärische Stellung trat, und sprach:
         „Eine Empfehlung vom Herrn Bürgermeister, morgen Vormittag wird die monatliche Steuer eingenommen“,
hob dabei seinen Stock, den er zu Fuß gestellt hatte, und entfernte sich ebenfalls salutirend, wie er gekommen war.
Niemand hat wohl vielleicht diesen Mann von strengster Pflichterfüllung jemals lächeln gesehen.

Josef Gittel
Des zweiten Dieners in der späteren Zeit, dieses athletischen Mannes Josef Gittel, ist schon bei der Befreiung seines Vorgesetzten aus den Händen der Aufständischen im Jahre 1848 gedacht worden.

Josef Gränz
Ein tief religiöser Mann, bei regstem Pflichtbewusstsein, voll Menschenfreundlichkeit und größter Gefälligkeit, so weit sich dies mit seinem Amte vereinbaren ließ, war auch der Dritte, der Vater des gegenwärtigen ehrsamen Stadtsecretärs, Herrn Josef Gränz.

Vinzenz Prießnitz
Und die Krone aller bisher Genannten war wohl der ehrsame Herr Vincenz Prießnitz von Gräfenberg, der Sohn eines dortigen  Wirtschafts-besitzers, der, ohne besondere Schulbildung in seiner Jugend genossen zu haben, da er erst in späteren Jahren schreiben lernte, er wurde am 5. October 1799 zu Gräfenberg geboren. als Gründer der Kaltwasserheilmethode, seinem Geburtsorte, sowie der lieben Stadt Freiwaldau der größte Wohlthäter wurde.
Zu seiner Zeit erhielt erst die genannte Stadt einen früher nicht geahnten Aufschwung, und Wohlstand kehrte in dieselbe durch den Zufluss von Curgästen ein. Seine edle Bescheidenheit, Selbstlosigkeit und Uneigennützigkeit findet noch in der Nachwelt die gerechte Anerkennung.
Als er am 28. November 1851 viel zu früh starb, trauerten wohl auch die Menschen aller Cultur-Völker der Erde um ihn, die durch den Besuch seiner Kaltwasserheilanstalt ihre Gesundheit wieder erlangt hatten, oder denen auch nur sein Name bekannt geworden war.

Geschrieben im regnerischen Juli-Monat im Jahre des Heils Eintausendachthundertsiebenundneunzig, als am 7 Juli ein Hagelschlag in diesem Bezirke die Feldfrüchte vernichtete und einen Schaden von nahezu 300.000 fl. anrichtete, und die Stadt in der Nacht des 29. Juli von einer großen Ueberschwemmung heimgesucht wurde; die Zahl der eingeschlagenen Fensterscheiben, allein in der Stadt Freiwaldau gegen 10.000 betrug, auch in Folge der Ueberschwemmungen durch fast ganz Mittel-Europa der Preis eines Kilo Kornmehls plötzlich von 12 auf 15 kr. gleich 30 Heller und eines Kilo Weizenmehl von 15 auf 22 kr. gleich 44 Heller stieg.