Hexenprozesse

Diese Hexenprocesse datieren vom Jahre 1484 und endeten erst gegen 1716.

Bei der Untersuchung einer Hexe waren 35 Inquisitionsfragen vorzulegen, und bei Verhaftung derselben sollte sie von der Erde aufgehoben und getragen werden, damit sie nicht entfliehe. Um die Hexe zum Geständnis zu bringen, diente die Tortur und die Wasserprobe. Die Processe mussten möglichst in die Länge gezogen werden; es waren die in der Gegenwart soviel verschrienen Jesuiten, welche diesen Ausflüßen rohen Aberglaubens mit Entschiedenheit entgegentraten; namentlich der bairische Jesuit Adam Tanner, gestorben 1632, der Jesuit Friedrich Spee, gestorben 1635 und vorzüglich der niederländische Theologe Balthasar Bekker.

Jene Männer konnten der vielen sich ihnen entgegenstellenden Hindernisse wegen nicht durchdringen und erst dem deutschen Rechtsgelehrten Christian Thomasius aus Leipzig, geboren 1655 und gestorben 28. September 1718 war es vorbehalten, diese Processe wohl für immer aus der menschlichen Gesellschaft zu verbannen.
Mit dem Aberglauben an Hexen und den Gräueln ihrer Verhaftung, Verhöre, Tortur und Wasserproben und endlich deren Verbrennung, stand gewissermaßen ein sehr nützliches und allgemein nothwendiges Werkzeug, welches von der Zeit der Hexenprocesse an und selbst in der lieben Stadt Freiwaldau bis zum Jahre 1854 in Verwendung war, die Ofengabel, in Verbindung.
Man glaubte, dass die Hexen in der Walpurgisnacht in den Küchen der alten Häuser sich die Ofengabeln und langen Ruthenbesen ausborgten, um auf denselben reitend durch die weiten Schornsteine der genannten Küchen hinauszufahren und in der Luft allerlei unsittliche Tänze zu vollführen, und muss bezüglich dieser Ofengabeln bemerkt werden, dass diese grob geschmiedete, zweizinkige stumpfe Gabeln waren, an einer Stange befestigt, damit die Kochtöpfe in den langen Ofen gehoben und zum Feuer gestellt wurden, weil man zu jener Zeit weder Sparherde noch Ofenroste kannte.
Die Heizöfen jener Zeit waren zugleich Kochöfen, oft von absonderlichen Formen, meistentheils grün, braun oder schwarz, mit einer Halsverlängerung versehen, welche durch die Mauer in eine Küche endete, die gewöhnlich mit ihrem steigbaren Schornsteine einen großen Raum hatte.
Auf den Herd durch den Hals des Ofens wurde die Brandräte (auch Brandreiter) gestellt, (ein starker Eisenstab von Schmiedeeisen, an jedem Ende mit einem ausgespreizten Fuße versehen), das Scheitholz wurde größtentheils nicht gesägt, sondern in ganzer Länge mit einem Ende auf die freistehende Brandräte, mit dem andern Ende auf den Herd in eine lehnende Stellung gebracht, das Holz entzündet, die thönernen Kochtöpfe mit der zu bereitenden Suppe und dem Fleisch mit dem Henkel der Töpfe an eine Spitze der Ofengabel gesteckt (wobei die andere Spitze dem Topf als Stützpunkt diente) und zum Feuer gehoben.
Nun war es gar keine Seltenheit, dass zur Zeit, als die ehrsame Familie eines Hauses sich zum Essen begeben wollte, der Topf im Ofen mit seinem Inhalt umgestürzt und das Fleisch samt Suppe in den Kohlen verbrannt war. Auch konnte die ehrsame Ehewirtin und die ebenso ehrsame Jungfrau, wenn sie mehrere Male während des Kochens in den Topf sehen wollten, leicht mit der Ofengabel ein Loch in den Bauch desselben stoßen, welches ebenfalls den Verlust der Suppe nach sich zog. Dabei konnte auch beim Aufheben der Topfhenkel abbrechen. Auch war es nicht ausgeschlossen, dass sich die Topfstürze geschoben und Kohlen in die Suppe gefallen waren und muss noch bemerkt werden, dass in jener Zeit sehr selten ein Ofen bestand, der im Zimmer, sondern nur stets von der Küche aus beheizt werden konnte, und noch im Jahre 1854 lieferte der ehrsame Hafnermeister Herr Franz Pattermann aus Mähr.-Schönberg, dessen Oefen rühmlichst wegen deren großen Dauerhaftigkeit bekannt waren, einen solchen Halsofen nach Freiwaldau, in welchem jedoch nicht mehr gekocht wurde, und der erst im Jahre 1897, also nach 43 Jahren gänzlich unbrauchbar wurde.
Als diese Art des Kochens, wobei selbstverständlich die Zubereitung feinerer Speisen ausgeschlossen war, welche in einem sogenannten Ofenröhr geschah, aufhörte, tauchten in den großen rauchigen Küchen unter den weiten riesigen Schornsteinen offene Herde auf, auf welche dreibeinige thönerne oder eiserne Tiegel gestellt, darunter Feuer gemacht und so in denselben gekocht wurde. Dabei kam es aber vor, dass der Rauch aus der Küche nicht gehörig hinauszog und die ehrsame Frau oder Jungfrau sich vom Herde flüchten musste, um im Vorhause die Thränen vorerst abzuwischen, die ihr der qualmende Rauch erpreßt hatte, und endlich kamen die Sparherde in ihrer gegenwärtigen Form zum Vorschein, und aus den Ofengabeln mit ihrem vermeintlichen Hexenritt darauf, wurde ein anderes nützliches Hausgeräth geschmiedet.