Feuertechnik

Als die Zeit vorüber war, wo das so wohlthätige Feuer in Freiwaldau größtentheils aus einem Napf mit Zunder gefüllt, mit Stahl und Feuerstein angefacht wurde, und an dem erzeugten Funken dann ein Schwefelfaden angezündet wurde, so kamen damals Fläschchen auf, in welche, mit Asbest und Vitriolöl gefüllt, chemische Hölzchen, ähnlich den gegenwärtigen Streichhölzern eingetunkt wurden, um daraus das Feuer zu ziehen.
Als auch diese chemischen Feuerzeuge zu den Toten gelegt wurden, kamen die Streichhölzchen in ihrer gegenwärtigen Beschaffenheit auf, welche zuerst der ehrsame Kaufmann, Herr Karl Schubert Nr. 66 am Stadtplatze führte, und von denen ein Päckchen in der Größe der heutigen für 12 kr zu kaufen war, während jetzt für zwei Heller 3 Päckchen zu haben sind.
Diese Streichhölzer in der gegenwärtigen Beschaffenheit hielt aber der ehrsame Bürgermeister, Herr Josef Raymann, für sehr gefährlich, indem er während seiner Amtsthätigkeit im Polizeiwege streng verordnete, dass nämlich zu den Marktzeiten und während der Erntezeit Niemand auf dem Stadtplatze ein solches Streichhölzchen gebrauchen durfte, und erstreckte sich dieses Verbot auch auf die Curgäste von Gräfenberg und Freiwaldau. Ebenso duldete er nicht, wenn zu den genannten Zeiten Jemand mit einer Tabakspfeife oder Cigarre über den Platz ging.
Der vorerwähnte Zunder bestand aus fein geschnittenen Spänen von verfaulten Buchenstöcken, welche scharf getrocknet, dieses Feuermaterial abgaben.
Manchem ehrsamen Ehepaar oder Hausvater trat der Schweiß auf die Stirne, wenn nächtlicher Weile bei Ausbruch eines Brandes, bei plötzlicher Erkrankung von Kindern u. dgl. Licht geschaffen werden sollte, und der oft etwas feucht gewordene Zunder seine Wirkung versagte, und oft nach einer Zeit von beinahe ¼ Stunde erst Licht zum Vorschein kam.
Deshalb auch der Zundernapf sorgfältig „Ofn Eberufn“( die Decke eines Ofens) und „of dos Ufenwendla“ (ein breit hervorstehendes Mittelgesims am Ofen) gestellt wurde, um die Zündmasse immer trocken zu erhalten.