Die Salpeterleute

Auch eine Eigenthümlichkeit längst verflossener Tage waren die „Salniterleute“ (Salpeterleute). Diese waren eine Abtheilung von Civilarbeitern, ausschließlich aus Böhmen bestehend, unter militärischer Bedeckung von nur 5 Mann, bei welchen ein Soldat war, der gewissermaßen eine kleine technische Bildung hatte, und Salpetermeister genannt wurde.
Diese Abtheilungen zogen in unserem Vaterlande herum, rissen in den ebenerdigen Wohnungen und Ställen die Fußböden auf, gruben den Schutt heraus, führten ihn auf einen Haufen außerhalb der Stadt, errichteten dort hölzerne Hütten, in welchen sie große kupferne Siede- und Abdampfkessel einmauerten. Sie laugten in diesen Pfannen den ausgegrabenen Schutt unter Aufrühren aus und dampften ihn als Salpeter ab, welcher dann bei der Herstellung des Schießpulvers seine Verwendung fand.
Vorzugsweise suchten sie jene Land-Wohnungen auf, wo sich viele Kinder befanden, deren natürliche, flüssige, körperliche Absonderung durch den Fußboden in den Schutt durchgedrungen war.
Wenn die Salniterleute fortzogen, waren sie verpflichtet, die Fußböden und Stalldielen wieder in ihren gehörigen Stand zu setzen; Beschwerden gegen diese Herstellungen waren in Freiwaldau beim Stadt-Magistrat und in den Landgemeinden beim fb. Oberamte anzubringen.
Manche Hausbesitzer kauften sich auch von dieser Last los, da sie dem Salpetermeister Geld zahlten, wogegen er von ihnen unbedingt eine größere Quantität rohe Holz-Asche abforderte, welche er durch sein Personal mit dem Schutt vermengte, und dann auslaugte. Auf diese Weise kam dieser Mann so unvermerkt in den Besitz jener Holz-Asche, die er bei der Gewinnung des Salpeters beimengte.
Die militärische Bedeckung, welche die Böhmen bei sich hatten, diente speciell nur dazu, um eventuelle Widersetzlichkeiten gegen diese Last mit der Waffe zu begegnen.
Mit der Einfuhr des Chile-Salpeters, welchen die österreichische Regierung auch heute noch bezieht, kamen auch diese böhmischen Civilarbeiter mit ihrem Salpetermeister und ihrer militärischen Bedeckung in Vergessenheit.
Als sie von Freiwaldau fortzogen, ließen sie die riesigen Haufen Schutt liegen, von denen der eine in der heutigen Böhmischdorfergasse, im Garten des ehrsamen Tischlermeisters Herrn Johann Schneider, ein zweiter in der Nähe der Schießstätte und ein dritter sich in Buchelsdorf auf der so genannten Hüttenseite (diese Gasse erhielt auch ihren jetzigen Namen von den dort ziemlich ständigen Salpeterhütten) befand. Wenn die Salpeterleute ihre Arbeit vollendet hatten, was immer von 10 zu 10 Jahren geschah, so wurde dieser Schutt von den Grundbesitzern begierig weggeführt und gewöhnlich Kraut hineingebaut, welches darin wie Unkraut wucherte und wuchs.