Chronik der Geburtsstadt > Das Postwesen

Was das Postwesen betrifft, so war dessen Leiter in Freiwaldau, der ehrsame Herr Johann Sauer, welcher dieselbe Stelle bekleidete, wie die heutigen Herren k.u.k. Postmeister, jedoch nicht mit diesem Titel, sondern nur mit dem Titel eines Postboten, der verpflichtet war, wöchentlich 2 mal zu den Sammelstellen in Zuckmantel und der fb. Sammelstelle in Johannesberg zu reiten oder zu fahren. Ebenso war er verpflichtet, zum wirklichen k. u.k . Postamte in Olbersdorf zu reiten oder zu fahren. In der Regel wurde geritten, bei welcher Tour der ehrsame Herr Johann Sauer eine sogenannte "lederne Wurst" hinter sich auf dem Sattel aufgeschnallt hatte, worin sich die Briefschaften und Gelder befanden.

Geld durfte niemals an die Sammelstellen in Johannesberg oder Zuckmantel kommen, sondern der ehrsame Herr Johann Sauer musste das Geld vom wirklichen k.u. k. Postamte in Olbersdorf hierher abholen und auch zur Zeit, als die Curgäste hier anwesend waren, nach Gräfenberg befördern. Bei dieser Expedition kam es öfter vor, dass der Obgenannte auf einem Tische in einem Zimmer zu Gräfenberg stehend, von den Anwesenden, die damals aus aller Herren Länder zum Curgebrauche dort weilten, bei Vertheilung der Briefe eingezwängt wurde.
Auch war es dem ehrsamen Herrn Johann Sauer gestattet, Gelder und Briefe durch Fußboten von Olbersdorf unter seiner persönlichen Haftung abholen zu lassen. Ebenso durften auch Briefe von den Sammelstellen Johannesberg und Zuckmantel durch einen von ihm entsendeten Boten abgeholt werden.
Die Abfertigung resp. Zusendung an das k.u.k. Postamt in Olbersdorf und die Sammelstellen in Zuckmantel und Johannesberg war aber seine persönliche Sache. Bei diesen Ritten trug er auch ein Posthorn, bei dessen Signal alles dem Reitenden auswich, weil diejenigen, die dies nicht gethan hätten, die schwersten Strafen zu erwarten hatten, und besteht diese Verordnung, dass auf der Straße der k. u. k. Post Platz gemacht werden muss, noch heutigen Tags aufrecht.
Als sich nun eine hochgestellte Curdame in Freiwaldau befand, hatte sich bei derselben der ehrsame Herr Johann Sauer durch seine Biederkeit, Freundlichkeit und sein gefälliges Entgegenkommen bei dieser Dame, eine solche Achtung erworben, dass, als sie nach Wien zurückgekehrt war, ein großes Diner gab, und zu demselben absichtlich den damaligen k.u. k. Postdirector einlud, und bei dieser Gelegenheit an ihn das Ansinnen stellte, diesen Herrn Postboten in Freiwaldau zum wirklichen k. k. Postmeister zu ernennen, was jener nicht abschlagen konnte.
Auf diese Weise wurde das k.u. k. Postamt in Freiwaldau gegründet, während es früher ebenfalls nur eine Sammelstelle war.
Es muss erwähnt werden, dass diese Ritte zu den verschiedenen Sammelstellen und dem Postamte in Olbersdorf bei jeder Witterung mit furchtbaren Strapazen verbunden waren.
Pakete, Kisten u. dgl. voluminöse Gegenstände waren zu jener Zeit von der postämtlichen Beförderung gänzlich ausgeschlossen. Man kann sich nun einen Begriff von dem damaligen Briefverkehre machen, wenn man bedenkt, dass die Correspondenz in dieser verhältnismäßig kleinen Lederwurst Platz hatte, während heute täglich mehrere Wagenladungen von Correspondenzen, Geldern und Packeten zur Bahn gelangen.