Die Eröffnung der Lokalbahn

Der 1. Februar 1888 war fürs Bieletal  und auch für Niklasdorf ein hochwichtiger Tag. Vormittags gegen 9 Uhr hörte man den ersten Pfiff der zur Betriebseröffnungsfahrt von Freiwaldau nach Ziegenhals bestimmten Lokomotive auf dem Bahnhofe. Von der Lokalbahn Ziegenhals-Hannsdorf wurde an diesem Tage nur der nördliche Flügel: die Strecke Ziegenhals-Freiwaldau-Niederlindewiese eröffnet. Der südliche Teil (über Ramsau, den schlesischen Semmering hinaus) wurde im Herbst (1.Oktober) desselben Jahres dem Verkehr übergeben.
"Durch diese Eisenbahn wurde unser Gebirgskessel - das hohe Gesenke  -  der südöstliche Teil des mächtigen Sudetengebirges, dem Weltverkehr erschlossen. Unsere liebe schöne Heimat - abgeschlossen nach Südwesten durch die Bergwand unserer Sudeten, abgegrenzt nach Nordosten vom Zollschranken Preußens - ist doch eine der herrlichsten und anmutigsten Gebirgsgegenden unserer Monarchie. Aber es lag wie in einem stillen Winkel fern von aller Welt begraben. Nur Kurgäste von Nah und Fern belebten im Sommer unsere nächste Heimat (Gräfenberg und Niederlindewiese).
Später entwickelte sich ein reges gewerbliches Leben in unserem Tale. Die weltberühmte Leinenwarenfabrikation (Freiwaldau) blühte wohl schon früher, man denke an die Ausbeutung der Kalk- und Marmorsteinbrüche und die Granit-, Graphit- und Schwefelkieslager im schönen Biele-, Staritz-  und Teßtale - bedeutend hob sich die Industrie in Niklasdorf (Fezfabrik, Holzwaren, später Steinschleiferei), in  den  Orten Sandhübel/Kaltseifen (Holzstoff-Holzstiftenfabrik), in Saubsdorf (Marmor), in Lindewiese (Steinbrüche-Hüttenwerke), in Goldenstein  (Graphit- schlemmwerke), in Setzdorf (Kaltwerke) hervor.
Der Wunsch, die Ertragsfähigkeit der ausgedehnten Forste zu fördern, kam hinzu - später verirrte sich auch die Touristenwelt in unsere schönen Berge. Das alles sprach wohl für die Notwendigkeit einer Eisenbahn.
Mitte der Sechziger Jahre, da Hohenstadt und Neisse (1848 Neisse-Brieg gebaut) unsere nächsten Eisenbahnstationen waren, machte man unter eifriger Förderung des Baron Franz Klein die ersten Schritte zur Gewinnung einer Eisenbahn.
1867 ließ die Nordbahn von Sternberg über Schönberg, Niederlindewiese, Setzdorf nach Patschkau tracieren.
1869 richtete die Firma Raymann & Co. zu Freiwaldau - unterstützt von 152 Industriellen - Bittgesuche an die Behörden. Unterdessen (1870-1872) wurden die Centralbahn (über Hennersdorf) und die mährische Grenzbahn (mit Hannsdorf als Endstation) gebaut.
Der Consortial-Verband (A.Raymann, J. Latzel-Barzdorf, Ing. Seidl und C. Oberleithner-M. - Schönberg) beabsichtigte nun den Bau einer Bahn von Hannsdorf über Goldenstein, Lindewiese, Freiwaldau, Saubsdorf, Schwarzwasser, Haugsdorf und opferte zwecklos bis 1876 über 10.000 fl., da die Regierung mit einer so teuren Bahnlinie nicht einverstanden war. Nach Eröffnung der Bahnlinie Erbersdorf-Würbenthal brachte Adolf Raymann die Eisenbahnlinie Hannsdorf-Freiwaldau-Ziegenhals in Vorschlag, während seine Gegner für den Bahnbau Würbenthal-Freiwaldau voreingenommen waren.

Das "Siebener Eisenbahnkomitee" (Cameraldirektor Linner-Johannisberg, Oberforstmeister Miklitz-Freiwaldau, Anton Latzel, Baron Skal-Jungferndorf, Moritz Krisch-Breitenfurt, Al. Regenhart-Freiwaldau, Forstmeister Klose-Goldenstein) setzt sich seit 1881 mit aller Kraft für die Strecke Hannsdorf-Ziegenhals ein.
Im September 1883 fand die Tracen-Revision statt. Im März 1885 erhielt die Lokalbahngesellschaft die Concessionsurkunde, in welcher die beiden Zweigbahnen Lindewiese-Friedeberg-Heinersdorf und Sandhübel-Saubsdorf-Kunzendorf erwähnt werden. Zur selben Zeit erfolgte der Staatsvertrag mit Preußen betreffend die Bahnen Hannsdorf-Ziegenhals, Lindewiese-Ottmachau, Troppau-Ratibor.
Am 3.11.1886 fand nach Anhörung einer hl. Messe am Fuße des Koppenberges-Gräfenberg der erste Spatenstich statt. Im März 1887 übertrug die Lokalbahngesellschaft den Bau den Unternehmern Haudek und Zelenka in Prag-Chotzen. Nun wurde mit wahrem Bienenfleiße von Niklasdorf bis Ramsau gearbeitet. Die bisher ungeduldige Bevölkerung gab sich zufrieden.
Von Juli bis September 1887 stellten Baumeister Zelenka die Bahnhöfe Niklasdorf, Sandhübel, Freiwaldau und Baumeister Gröger den Bahnhof Nieder-Lindewiese fertig.
Die Aufstellung der großen Bielebrücke und der Bau, "an der Teufelskanzel" zwischen Niklasdorf und Ziegenhals führten zu großen Schwierigkeiten. Unter andern trugen zu diesem Bau bei:
Land Schlesien 1 000 000 fl., Mähren 50 000 fl., Firma Volpini & Söhne aus Niklasdorf 3 000 fl.
An diesen Eisenbahnbau, besonders an die großen Schwierigkeiten, welche die sog. "Teufelskanzel" verursachte, erinnert folgender Vers:

"Hier in diesem Felsenneste
Ging's am Anfang nicht auf's beste;
Doch durch schweres, heißes Ringen
Mußt es endlich doch gelingen,
So daß man mit der Eisenbahn
Des Teufels Kanzel befahren kann!"

 
Am 29.10.1888 ereignete sich an der Kreuzungsstelle der Eisenbahnstrecke mit der Ziegenhalser Straße ein Unglück. Der Zug schleuderte den das Gleis übersetzenden Wagen zur Seite und der Insasse Ignaz Schreier, I. Postmeister, Hausmeister und Kaufmann, starb an "Bruch der Wirbelsäule infolge überfahren vom Bahnzuge".

Seit 1896 ist Niklasdorf mit der Bezirksstadt Zuckmantel durch einen Schienenstrang verbunden. Die Geschichte dieser Bahnverbindung hat Bürgermeister Josef Pohl aus Zuckmantel in dem interessanten Buche: "Die Lokalbahn Zuckmantel-Niklasdorf" veröffentlicht.
Schon im Jahre 1860 wurden Verhandlungen gepflogen betreffs des Ausbaues der Eisenbahn Neisse-Zuckmantel. In dem Friedensvertrage zu Nikolsburg, welcher den Krieg von 1866 abschloß, war die Bedingung enthalten, daß diese Eisenbahn Neisse-Zuckmantel- über Würbenthal, Freudenthal bis zum Anschlusse an die k.u.k. Ferdinands-Nordbahn (über Römerstadt, Sternberg, Olmütz) ausgebaut werden soll. Mit dem Bau der mähr.-schles. Centralbahn (über Kriegsdorf, Jägerndorf, Hennersdorf nach Ziegenhals) mit den beiden Flügeln Kriegsdorf-Römerstadt und Erbersdorf Würbenthal 1880) waren die berechtigten Hoffnungen der Stadt Zuckmantel, welche an der geschichtlich bekannten Reichsstraße Olmütz-Breslau lag, gänzlich begraben.
Zuckmantel wurde durch den Eisenbahnbau Hannsdorf-Ziegenhals ebenfalls umgangen. Erst im Jahre 1889 unternahm der neu gewählte Bürgermeister Josef Pohl ernste Schritte, die zu sicherem Resultate führten.