Der gesteuerte Blutrausch

Hatte seit dem Slawenkongress 1848 eine deutliche Abgrenzung zu den Deutschen in Böhmen noch sehr moderate Formen angenommen, wie beispielsweise bei H. Kohn[1] zu lesen ist: "Lasst uns von anderen Völkern alles annehmen, was gut und menschlich ist, lasst uns nicht die deutsche Kultur zurückweisen, denn sie ist auch unsere.."  so werden im Laufe der nächsten Jahrzehnte bis zum ersten Weltkrieg die Töne immer schärfer. Nach der zwangsweisen Eingliederung der Deutschen in den tschechischen "National­staat"  treten die wahren Absichten unverhohlen zu Tage. Masaryk, der Präsident hält sich in seinen Äußerungen zwar noch merklich zurück, wenn er nur von der Notwendigkeit einer allmählichen Entgermanisierung spricht mit der Begründung: “ Wir sind eine Rasse, die zum Herrschen bestimmt ist“[2]

Im Tschechischen Parlament ist man weniger zimperlich, wenn man den deutschen Abgeord­neten  hasserfüllt entgegenschleudert: „Wir jagen euch und werden euch weiter jagen“[3]
Bei den ständig wachsenden antideutschen Kampagnen  meldet sich auch Beneš, der spätere Präsident der oft gepriesenen tschechischen Demokratie zu Wort: ...“ dass den Deutschen kein Selbstbestimmungsrecht gegeben werden darf, dass sie sich besser an Galgen oder Kandelabern aufhängen mögen…[4]

Seine Empfehlung ist offenbar als willkommene Anweisung  aufgefasst worden, die Deutschen  aufzuhängen, wie es in vielen Orten dann auch geschehen ist.

Aber Beneš ist noch steigerungsfähig. Seine späteren  eindeutigen Terrorbefehle sprechen eine brutale deutliche Sprache: Der Umsturz „müsse gewaltsam, eine gewaltige Volksabrechnung mit den Deutschen, ... ein blutiger, unbarmherziger Kampf sein.“[5]  Durch seinen Befehlshaber der tschechoslowakischen Armee, General Ingr, ließ er im Rundfunk verkünden: „Wenn der Tag kommt, wird die ganze Nation dem alten Kriegsruf der Hussiten folgen: „Schlagt sie, tötet sie, lasst niemanden  am Leben“. Das sind Anweisungen eines Präsidenten einer angeblichen Demokratie an sein Volk, das  dann auch bereitwillig  den „Hussiten-Tugenden“ huldigt und  Frauen, Kinder, alte Männer, verwundete Soldaten abschlachtet. Und dies alles nicht etwa im Krieg, sondern als dieser bereits vorbei war, sozusagen mitten im Frieden durften sich die  Horden austoben: Es kam zu Massenmorden, denen etwa 241.000 Sudetendeutsche, etwa 120.000 reichsdeutsche Flüchtlinge und eine unbekannte Zahl von deutschen Soldaten zum Opfer gefallen sind. Deutsche Kriegsgefangene und Verwundete aus Lazaretten wurden unter furchtbaren Misshandlungen ermordet, an Laternenpfählen aufgehängt und bei lebendigem Leib verbrannt, unter großer Anteilnahme und Zustimmung der tschechischen Bevölkerung öffentlich totgeschlagen oder in Gewässern ertränkt. Hunderttausende von Deutschen wurden, oft jahrelang, in tschechischen Lagern gefoltert, dem Hunger ausgesetzt und zur Zwangsarbeit getrieben. Die Dokumentation des Bundesarchivs in Koblenz schreibt darüber:“

„Zu den Gewalttaten gehörten Tötungen, verübt in verschiedenster Weise durch Erschießen, Erhängen, Erschlagen, Ertränken, brutale und sadistische Misshandlungen, ferner Vergewaltigungen von Frauen... Aus einer Anzahl von Gemeinden wird über öffentliche Exekutionen berichtet, denen zum Teil die Einsetzung improvisierter Volksgerichte vorausging. Die diesen vorgeführten Personen wurden während und nach den Verhören auf das schwerste misshandelt oder auch zu Tode gefoltert..

Und hier noch ein Bericht,  ausgewählt von vielen Tausenden, der deutlich macht, zu welchen bestialischen Untaten Menschen fähig sind, die von allerhöchster Stelle dazu aufgefordert werden:

Sie kamen elbeabwärts aus der Tschechoslowakei. Und es waren Frauen und Kinder und Säuglinge, Greise und Greisinnen und deutsche Soldaten. Und es waren Tausende und aber Tausende, von denen der Strom nur wenige an jenen Teil des Ufers schwemmte, an welchem der Pfarrer und seine Männer die Toten in die Erde senkten und ein Gebet über ihren Gräbern sprachen. An diesem Abend des 20. Mai geschah es, daß der Strom nicht nur solche  Deutsche von sich gab, die zusammengebunden ins Wasser gestürzt und ertränkt worden waren, und nicht nur die Erdrosselten und Erstochenen und Erschlagenen, ihrer Zunge, ihrer Augen, ihrer Brüste Beraubten, sondern auf ihm trieb, wie ein Schiff, eine hölzerne Bettstelle, auf der eine ganze deutsche Familie mit ihren Kindern mit Hilfe langer Nägel angenagelt war. Und als die Männer die Nägel aus den Händen der Kinder zogen, da konnte der Pfarrer nicht mehr die Worte denken, die er in den letzten Tagen oft gedacht hatte, wenn er sich mit den Tschechen beschäftigte und wenn Schmerz und Zorn und Empörung ihn übermannen wollten: »Herr, was haben wir getan, daß sie so sündigen müssen.« Dies konnte er nicht mehr. Aber er sagte leise: »Herr, sei ihrer armen Seele gnädig!«[6]

Bei aller Würdigung des von Deutschen während des Krieges  angerichteten Schäden und des in den betroffenen Ländern angerichteten Leides muss auch hier abschließend die Frage gestellt werden, ob die Tschechen dazu berufen gewesen sind, sich in der Weise als Richter aufzuspielen und sich  in  ihrem beispiellosen Hass, ihrer Rache und ihren eigenen Chauvinismus gegen unschuldige Kinder, Frauen, Verwundete und Greise  auszutoben.


[1] H. Kohn, "Die Slawen und der Westen" , 1956
[2] Masaryk, "Die Weltrevolution", Prag 1925
[3] Tschechische Abgeordnete Zeminova im Parlament
[4] In "Ceske Slovo" vom 29.10.1920
[5] Benes vor seinem Staatsrat in London am 3.2.1944
[6] Jürgen Thorwald, „ Das Ende an der Elbe“