Chronik der Geburtsstadt / Freiwaldau

Ur­kundlich wird Freiwaldau zum ersten Mal 1267 erwähnt. Bischof Thomas I. (1232—1268) belohnt seinen Dienst- und Lehensmann Cursicus mit dem Dorfe Wissoka (Höhendorf) bei Vriwald, das ihm zum erblichen Besitz übergeben wurde. Wie der Name Freiwaldau entstanden ist, dafür gibt es keine eindeutigen Belege. Nach einer Sage soll an dem Ort auf einer „freien Au“ ein Wirtshaus gestanden  sein und aus der Bezeichnung „freie Wald –Au“ soll der Name Freiwaldau“ entstanden sein. Nach einer anderen Version, soll den Ansiedlern zur Erbauung von Häusern die freie Holzung in den herrschaftlichen Wäldern gestattet worden sein. Aus „freier Wald“ soll  schließlich „Freyenwalde“ geworden sein.

Nach einer Urkunde des Bischofs Johannes III. Romka (1292—1301), ausgestellt  zu Neisse am 14. Juli 1295, wurde ein durch Brand vernichteter Kaufvertrag der Vogtei Vrienwald neu bestätigt. Darin heißt es u. a.:

„Freiwaldau ist eine Gründung nach deutschem Recht: dem Vogt wird die Vogtei von Dorf und Stadt Freiwaldau (villa et civitas Vrienwald) verkauft, dazu gehören alle Rechte und 16 Huben Land; 3 freie Mühlen an der Biele (Belam), eine Badestube, Fleisch­bank und Brotbänke nach Bedarf, den dritten Pfennig vom Ober- und Niedergericht.“

In einer alten Karte (siehe Kartenausschnitt), die schon eine relativ dichte Besiedlung zeigt, ist noch der Name „Freywald“ enthalten.


 

Im Jahre 1506 erneuert Bischof Johannes v. Thurzo die Privi­legien der Bischöfe Preczlaw von Pogarell (1342—1376) und Wen­zel, Herzog von Liegnitz (1382—1417) und der Magistrat ist berechtigt, „allen ausgefertigten Kontrakten das vom Bischof der Stadt verliehene Insiegel beidrücken". Das Siegel wird folgendermaßen beschrieben:

„Ein auf grünem Rasen nach links schreitender Bär, auf dessen Rücken der links schauende schlesische schwarze Adler eingekrallt sitzt. Der Adler, mit rot ausge­schlagener Zunge und goldenen Waffen, ruht im goldenen Schilde und tragt auf der Brust ein silbernes Kreuzchen, welches auf einem silbernen, mit kleeblat­tähnlichen.  Enden versehenen Halbmonde liegt."

 

Freiwaldau war nie eine befestigte  Stadt mit Mauern oder Wallgräben, um sich auf diese Weise vor Feinden zu schützen.  Es war immer eine "offene Stadt". Befestigt war lediglich das Schloss, das angeblich schon im 12. Jahrhundert erbaut worden ist – dafür gibt es allerdings keine Belege. Das Schloss ist ein  dreiflügeliges kleines Wasserkastell aus schwarz verwitterten Findlingsteinen, errichtet zum Schutze des Ortes als befestigte Burg. Das Schloss, erstmals 1374 als “Burg Freienwalde“ urkundlich erwähnt, hatte nach der Außenfront keine Fenster, sondern Schießscharten und war mit einer Zugbrücke über einen Wallgraben versehen. Wie aus der abgebildeten Radierung zu sehen ist, wurden die Fenster an der Außenfront und der Brückensteg an Stelle der Zugbrücke im Jahre 1798 unter Bischof Johann Christian Fürst Hohenlohe-Bartenstein (1795—1817) hergestellt.


1510 übergibt der Bischof den Fuggern das Städtchen Freiwaldau zu Lehen, die schon seit 1508 den Goldbergbau auf der Goldkoppe betrieben. 1519 verleiht derselbe Bischof den Ringsbürgern das Wein­schankrecht.

1580 verkauft Bischof Martin Gerstmann (1574—-1585) an den getreuen Bürgermeister und Ratsmannen des Städtchens Freywaldau das hölzerne Melzhaus neben der bischöflichen Mühle um 40 Thaler. In dem Melzhaus (Mälzhaus) wurde das Malz für die brauberechtigten Ringbürger und für die Fürstliche Hofbrauerei in Freiwaldau hergestellt.

1599 wurde das Rathaus am Ringplatz erbaut, das  nach mündlicher Überlieferung  auf der Freiheit ge­standen sein  soll.  Die im Stadtwappen befindliche Jahreszahl 1710 ist nicht das Verleihungsjahr, sondern die der Wiedererbauung des 1696 abgebrannten   Rathauses.

Im Jahre 1602 wurde unter Bürgermeister Hufnagel  das Melzhäus neben der Mühle abgetragen und  neu erbaut.

 

Im Grundbuch der Stadt  Bd. II ist auch die nähere Bezeichnung der Stadtteile ersichtlich u. zwar: Freiheit, Stadt (nur die Rings­bürgerhäuser), Obergasse (die spätere Bräuhausgasse), Niedergasse (später Schillerstraße), Kaplangassel (von der Freiheit zur Kirche, zwischen den Gärten der Ringsbürger und Wallgraben), (Stollenweg) und Außer der Stadt (die Wirtschaften einiger Bür­ger, Hinter der Stadt (Wassergasse, Prießnitzgasse), Unter der Stadt.

Aus der Zeit von 1606 stammt ein bischöflicher Wappenstein mit dem Freiwaldauer Stadtwappen mit der folgenden vierzeiligen  lateinischen Inschrift und einer zweizeiligen lateinischen Inschrift von 1906:

 ANNO 1606  DOMUS  PAROCHIALIS  CUM  SCHOLA
A  FUNDAMENTIS  EXSTRUCTA  EST NOBILE  ET  STRENUO
WENZESLAO  CROMER  A  KRIPPENDORF  CAPITANEO  JOAN
NE  GROCH  PAROCHO  CASPARO
HUFNAGEL  CONSULE


ANNO 1906  INTUS  TOTALITER  MUTATA
GEORGIO  CARD(INALE)  KOPP  PRINC(IPE)  EPISC(OPO)  VRATISLAV(IENSE)

Übersetzung:

Im Jahre 1606 wurde das Pfarrhaus mit der Schule
von den Fundamenten an errichtet von dem (durch den) vornehmen
und gestrengen Wenzel Cromer von krippendorf, (Amts)Hauptmann,
Johan/nes Groch, Pfarrer, Caspar Hufnagel, Bürgermeister

Im Jahre 1906 wurde das Innere (des Pfarrhauses) ganz geändert
von(durch) Georg Kardinal Kopp, Fürstbischof von Breslau

Im Jahre 1623 erfolgte die Begnadung der Stadt mit 12 Schuhbänken durch Bischof Karl, Erzherzog von Österreich (1608—1624). Vorher hatte Freiwaldau 8 Schuhbänke. Es handelt sich hierbei um Verkaufsstände der Handwerker.

Über die Pest im 30 jährigen Krieg sind in den Chroniken keine Angaben zu finden, da  die Pfarrbücher bei den verschiedenen Bränden vernichtet wurden und erst wieder mit dem Jahre 1666 bzw. 1668 beginnen.

Auch die Schwedenkriege sind an Freiwaldau nicht vorüber­gegangen. Zur Erinnerung an diese Zeit wurden drei Kugeln, die bei der Belagerung in den Schlosshof gefallen waren, an der Vorderfront des Schlosses eingemauert. Eine Tafel am Hause Dorf Nr. 9 (Fabrikgasse) besagt, daß im Jahre 1646 Scharfrichter Martin Wagner bei Bestellung seines Feldes am Klang (später Fabrikanlage R & R.) von den Schweden erschossen wurde.

Hexenwahn

Nach einer alten mündlichen Überlieferung sollen die einem Hexenwahn Verfalle­nen auf einer Wiese in Nähe der späteren Gröger-Baude im Biberteicher Gelände zu­sammengekommen sein, wo ein Kater zum Tanz aufspielte, der Teufel als Ziegenbock die Huldigung entgegengenommen habe. Auf Rutenbesen, Ofengabeln oder Spinn­rocken sei im Morgengrauen die Heimfahrt durch die Lüfte angetreten worden.

Jene Deliquenten, welche ihre angeblichen Laster freiwillig eingestanden, wurden durch das Schwert hingerichtet und erst dann dem Feuertod übergeben; während die sogenannten hartnäckigen Anhänger des Hexenwahnes an einen Pfahl gebunden und bei lebendigem Leibe verbrannt wurden. Unsere Heimatstadt hatte zwei solcher Hinrichtungsstätten: Die eine befand sich in der Schlucht oberhalb der späteren Tyndal-Quelle, die andere lag außerhalb der Stadt am Wege nach Gräfenberg, dem späte­ren Hexenhübel.

Das letzte Urteil in einem Hexenprozeß ist am 18. Februar 1682 über eine Rosina Stenzelin und deren Mutter, beide aus Thomasdorf, gefällt worden. Die Verhandlung hatte der Freiwaldauer Schloßhauptmann Georg von Hoditz, Herr von Hennersdorf und Johannesthal, geleitet: Beide Verurteilten sind durch das Schwert hingerichtet worden. Für die Zeit zwischen 1639 und 1682 werden 81 aus der Stadt und ihrer Umge­bung stammenden Personen genannt, die in Hexenprozessen schuldig gesprochen und daraufhin enthauptet, gehenkt oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sind.

Im Jahre 1686 wurde das bischöfliche Brauhaus (im Volksmund Brotkanzlei) zwei Gaden (Geschosse) hoch  erbaut.

1710 wurde der um die Kirche angelegte Friedhof hinter die Stadt verlegt (Eislaufplatz).

Einzelne Wirtschafter erbauten um das Jahr 1750 ihre Wohn- und Wirtschaftsgebäude bei ihren am Gräfenberg gelegenen Grund­stücken; sie gaben jedoch das Bürgerrecht nicht auf und wurden „Bürgerliche Wirtschafter" genannt.

Mit dem Jahre 1753 hörte Freiwaldau auf freie Bergstadt zu sein.

Im Jahre 1812 führte Adolf Raymann, Sohn des Bürgermeisters und Garnhändlers Josef Raymann, in Verbindung mit einigen Her­ren die Damastweberei  ein, die neues Leben in das Städtchen brachte.
1826 begründete Vinzenz Prießnitz die Wasserheilanstalt (Badeanstalt) am Gräfenberg. Was für ein Segen die Leinen-Industrie und der Badeort für Freiwaldau war, ist daraus ersicht­lich, daß innerhalb von 100 Jahren (1830 -1930) die Einwohner­zahl Freiwaldaus von rund 2300 auf rund 8200 anstieg.

1827 wurde  das Städt. Melzhaus (Volksheim) neu, massiv  aus Stein und Ziegel,  aufgebaut. Die Ringsbürger vereinigten ihre auf den Ringhäusern  befindlichen  Brauurbare  auf dieses Melzhaus und führten es  als Melz- und Brauhaus weiter; ein Brauurbar traten sie der  Bürgerlichen  Schützengesellschaft  ab. Es wurde ein Brauinspektor bestellt, der die Verrechnung mit den Ringsbürgern vor­nahm. Im  Jahre  1867  wurde das Stadtbrauhaus mit den Brauurbaren an  den  Meistbietenden  (Julius  Lichtwitz) um 14 000 Gulden verkauft (Schätzwert   9000   Gulden),  der 1870  eine Brauerei am Stollenwege  errichtete  und  das  Brauhaus in  ein  Gasthaus um­wandelte. Durch diesen Verkauf haben die Ringsbürger ihre Brauberechtigung,  somit  auch  den    Bierausschank in ihren  Häusern verloren.                                                

1838 erbaute Vinzenz Prießnitz  - um die große Zahl der Kur­gäste  unterzubringen  -  das  große   Kurhaus.
1840 wurde das Koppenhaus als Sommerhaus des Vinzenz Prießnitz erbaut.

Im selben Jahre  wurde  auf Veranlassung des Kurgastes Baron Wesselenji die erste  Wasserleitung  mit 3 öffentlichen  Auslaufbrunnen gelegt. Die Auslaufbrunnen befanden sich auf der Freiheit (südliche Spitze der Parkanlage),   am  Ringplatz (Wesselenji-Brunnen) und in der Prießnitzgasse (vor dem Hause Nr. 284 Kunert)

Im Revolutionsjahr 1848 ließ  Herr Adolf Raymann seinen Arbeitern, um diese nicht brotlos zu machen, das sogenannte Steingericht urbar machen und bepflanzen. Einen Teil, den Herr Josef Raymann bereits 1798 vom bischöflichen Vorwerk erworben hatte, gab dann  Adolf Raymann zur öffentlichen Benützung den Bewohnern Freiwaldaus unter der Bedingung frei, dass dieser Teil niemals bebaut werden darf. Dieser öffentliche Teil wurde nach dem Besitzer ,,Josefgarten" benannt.

Im Jahre 1860  weilte Kaiser Franz. Josef I. zur Besichtigung der Leinen- und  Damastweberei  Regenhart  & Raymann in Freiwaldau. Zu Ehren. des hohen Besuches wurde im Jahre 1908 eine Gedenktafel mit einem Relief des Kaisers am Hause Ring Nr.68 (ehemaliger Besitz des Adolf Raymann) angebracht, die im Jahre 1919  bei der Besetzung Freiwaldaus durch  die Tschechen, von letzteren zerschlagen wurde.

Im Jahre 1881 ließ sich der Orden der Ursulinerinnen in Freiwaldau nieder. Er erwarb das Wohn- und Wirtschaftsgebäude  des ehem. Bürgermeisters Putze  und vergrößerte den Besitz im Laufe der  Jahre bedeutend. Der Orden unterhielt

eine  fünfklassige Volksschule, eine dreiklassige Bürgerschule, eine zweiklassige Fortbildungsschule; einen Vorbereitungskurs für   
 französische und englische Sprachprüfungen,  eine  zweiklassige  Handelsschule und eine dreiklassige Frauen-berufsfachschule.

1882 wurde die Pfarrkirche umgebaut. Der schöne gotische Altar ist ein Werk de» Bildhauers Raimund Kutzer (Sohn des Bernhard Kutzer) aus Obergrund. In den Jahren 1881-1883 wurde die evangelische Kirche erbaut, die ihre Entstehung größten­teils der Prinzessin Marianne der Niederlande verdankt, die damals Besitzerin der Herrschaft Weißwasser bei Jauernig war.

1884 wurde Freiwaldau kanalisiert. Im selben Jahre wurde von einigen Freiwaldauer Bürgern unter Vorsitz des Kaiserl. Rates Oberbez.-Arzt Dr. Moritz Friemel die Städt. Badeanstalt erbaut.

1888 erfolgte der Bau der Eisenbahnlinie Ziegenhals-Hannsdorf wurde.
1897 wurde die Freiwaldauer Wasserleitung (Kreuzberg-Goldkoppengebiet) gelegt.
1901 wurde das Städtische Gaswerk eröffnet.
1906/1908 wurde die Regulierung der Biele und Staritz vorgenommen.
Im Jubi­läumsjahr 1908 (60 jähriges Regierungsjubiläum Kaiser Franz Jo­sef I.) wurden eingeweiht:

       
Die Gräfenberger Wasserleitung, die 1929 mit der Freiwaldauer Wasserleitung vereinigt wurde,
        das Versorgungshaus,  die Schießstätte und die Kaiser Franz Josef-Quelle (später Philipp Klein-Quelle).

Baujahre einiger wichtiger Gebäude:
1885 Mädchen -Volks- und Bür­gerschule , 1891 Knaben-Volks- und Bürgerschule , 1901 Ge­richtsgebäude , 1904 Sanatorium Altvater  vom Schulmann Strnadel als Pädagogium erbaut, wurde es 1905 Hotel, dann Kurhotel und schließlich Sanatorium), 1910 Prießnitz-Sanatorium , 1915 Postamt , 1916 wurde das Haus 237, Schulgasse, zur Mittelschule umgebaut, 1927 Erweiterung des Krankenhauses , 1932 Bezirksamtsgebäude und Städt. Freibad

Denkmale: 1909 Prießnitz-Denkmal , 1909 Jahnstein , 1934 Goethebank , 1934 Kriegergedächtnistafel in der Pfarrkirche , 1935 Kriegerdenkmal. Wann die Denkmäler am Gräfenberg (Prießnitzbüste, Pol­nisches Denkmal, Ungarischer Löwe und die vielen Quellen) errichtet wurden, ist nicht bekannt.

Im ersten  Weltkrieg 1914/1918 wurden 198 Gefallene, Tote und Vermißte  aus  Freiwaldau   gezählt. Da jedoch in den Jahren 1919- 922  noch  einige Freiwaldauer an den Folgen der Kriegsverletzungen gestorben sind, wurden insgesamt 206 Mann auf der  Kriegergedächtnis­tafel als Kriegsopfer geführt.

Wenn Freiwaldau auch von Kriegen verschont geblieben ist, so wurde es um so mehr von Bränden heimgesucht.

"Am 27. Juli 1625 brach bei Michel Goltman ( Schillerstraße 27 – Schillerklause– ein Feuer aus , das 21 Feyerstätten vernichtete und viele arme Leute gemacht hat“. – Die Bürger waren so erbittert, dass sie die Entfernung des Goltman verlangten. Er wurde im Jahre 1626 aus dem gebiet der Freiwaldauer Amtshauptmannschaft ausgewiesen. (Zur Freiwaldauer Amtshauptmannschaft gehörten außer Freiwaldau noch die Gemeinden Buchelsdorf, Adelsdorf, Thomasdorf, Lindewiese, Böhmischdorf, Sandhübel, Seyfen, Breitenfurt). Der kuriose Ausweisungsvertrag, der beim Bürgermeister aufgestellt wurde, ist im St.Gr.B.Bd.II enthalten und besagt u.a.:

„Goltman wird jedoch gestattet, zur Abwicklung von Geschäften, das Freiwaldauer Gebiet zu betreten, jedoch soll er seine Sache so schnell als möglich erledigen und die Stadt wieder verlassen. Während seines Aufenthaltes soll weder die eine noch die andere Partey  Stritte oder Händel beginnen, sonst hat der schuldige Teil eine Strafe von 100 Gold-Thalern beim Magistrat zu erlegen“. (Die üblichen Strafen zu jener Zeit betrugen regelmäßig nur 5-10 Thaler).

Am 21. Februar. 1638 abends 9 Uhr, brach beim Schuhmacher Axmann im Kirchgassel (heute 161 Stadt) ein Brand aus, der ein Viertel der Stadt in Asche legte. Kirche, Pfarrhof, Schule und Vorwerk wurden ein Raub der Flammen. Es verbrannten alle Kirchenbücher. Durch diesen Brand, der leider im Stadtgrundbuch nicht weiter erwähnt wurde, sind viele Bürger verarmt, sie konn­ten ihre Häuser nicht mehr aufbauen und ein Teil verließ Frei­waldau. Noch in den Jahren 1644 - 1647 kann man bei vielen Grundkäufen im St.Gr.B.Bd. II lesen:

 „Der Magistrat verkauft eine wüste Brandstelle um . . . Thaler an N. N.“

Manchmal ist auch der Name des ehem. Besitzers angeführt. - Am linken Stütz­bogen des feb. Schlosses befindet si ch eine Tafel mit folgendem Wortlaut:

„CAROLUS FERDINANDUS  DEI  GRACIA EPISCOP PRINCEPS  VRATISLAV ANNO  MDCXXXVIII  AEDIFICIUM  HOC  INCENDIO  CONFLAGRATUM PROPRIO  AERE  EX  FUNDAMENTO  EREXIT”.

Carl Ferdinand von Gottes Gnaden, Fürstbischof von Breslau, hat im Jahre 1618 dieses durch einen Brand voll­ständig zerstörte Gebäude auf eigene Kosten von Grund auf wieder aufgebaut.

Am 4. und 5. Mai 1696 brach bei Wiesner auf der Bleiche (später Lederhändler Weinert) ein Feuer aus, das sich rasch verbreitete und fast das ganze Städtchen in Asche legte. Die Kirchenbücher verbrannten  wiederum. Es brannten damals 80 Häuser ab und die Besitzer sind im Stadtgrundbuch Bd.III namentlich angeführt; überhaupt ist dieser Brand ausführlich beschrieben. Es brannten damals der Häuserblock. (Vesely bis Goldarbeiter Seifert), Brau­hausgasse, der Ring, Kirchgasse, Schloßplatz, Raymannstraße, Schillerstraße, Wassergasse und Prießnitzgasse ab. Die Freiheit blieb bei diesem und den früheren Bränden, verschont. - Bischof Franz Ludwig, Pfalzgraf zu Neuburg (1683—1732), ein Förderer des Barockbaues, trug viel dazu bei, daß das Städtchen wieder aufgebaut wurde. Die Ringbürgerhäuser wurden alle in Barock­stil hergestellt. Leider wurden um das Jahr 1880 die Barockgiebel mit Scheinmauern versehen, die ein Stockwerk vortäuschen soll­ten. - Bei diesem Brande konnten, die Stadtgrundbücher  gerettet werden, nur Band II erlitt einen kleinen Brand­schaden; ebenso blieben die Urkunden erhalten. - Das Rathaus wurde wieder aufgebaut und im Jahre 1710 fertig gestellt. Im Jahre 1718 konnte die sogenannte Feuerglocke im Rathausturm angebracht werden, die - trotz ihres historischen Wertes  - im Jahre 1917 für Kriegszwecke abgeliefert werden mußte. Sie hatte ein Gewicht von 67 kg, wurde in Neisse gegossen und enthielt die Namen des Bürgermeisters, des Vogtes, der Schöffen, Aeltesten, Ratmannen und des Notars. Sie war der Hl. Maria geweiht. Der in Latein gehaltene Spruch besagte, daß diese Feuerglocke von den Freiwaldauer Bewohnern beschafft wurde. -  Sie wurde jeden Abend um 9 Uhr geläutet, um die Bewohner zur Vorsicht mit Feuer und Licht zu mahnen; darnn bei Gefahren (Feuer und Was­ser) und zur Einhebung der Zinsen (Steuern). Beim Wiederaufbau des Städtchens wurde die östliche Ringseite von der Raymannstraße bis zum Kloster vorverlegt; ebenso auch die westliche vom Hause Born bis Blazek. Da die Ringbürger auch Wirtschafter waren, durften.die Scheuern nicht mehr bei den Häusern, errichtet wer­den, sondern man baute diese am Freiheitmarkt neu auf. –

Am 30.  September  1737  brannte der östliche und ein Teil der nördlichen Ringseite ab: die Kirche, Pfarrhof, Meierhof und Schloß wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die Kirchenglocken schmolzen zusammen. Die Pfarrbücher konnten gerettet werden.

Am 9. Oktober 1841 abends brannten die 35 Scheuern auf der Freiheit, die linke Freiheitszeile bis zum Hause 69 (Mittmann -Finanzamt) und die südliche Ringseite bis zum Hause 142 (Grof) ab. Beim Wiederaufbau mußten die Häuser mit Feuermauern und feuersicheren Dächern hergestellt werden. Die Scheuern durften nicht mehr auf der Freiheit errichtet werden und deshalb hieß dieser Brandplatz im Volksmund „Scheuerplan“ Um diese Zeit dürfte das Freiheitsgäßchen überbaut worden sein, da die Häuser 144 und 149 in einen Besitz übergingen (Moritz Raymann).

1845 Stadt und Umgebung werden von einer verheerenden Überschwemmung heimge­sucht.

 1846 Kaiser Ferdinand, der Gütige, von Öster­reich, verleiht dem Naturarzt Vinzenz Prießnitz die Große goldene Civilmedaille" für seine Verdienste um die lei­dende Menschheit.

1848 Wegen revolutionärer Unruhen in der Stadt wird eine Nationalgarde errichtet. Kommandant ist Hauptmann Trampusch, fürsterzbischöflicher Beamter, als Lieutenant der ehrsame Papiermacher und Bürger der Stadt, Adolf Wurscher.

Bürgermeister Adolf Raymann läßt den Stadtwald anlegen, um den notleidenden Arbeitern eine Verdienstmöglichkeit zu geben

1850 Der ungarische Großgrundbesitzer und Magnat Nikolaus Wesselényi reist am 14. April mit seiner Familie nach Buda­pest zurück. Er hatte die bildschöne We­berstochter Anna Lux aus dem Stollen zur Frau genommen, die ihm zwei Söhne - Nikolaus und Bela - schenkt. Während seines Aufenthaltes von 1839 -1850 unterstützt er die arme Bevölke­rung. Unter seiner Umsicht führt er die erste Wasserleitung in Holzrohren und sichert so der Bevölkerung ein hygienisch einwandfreies Trinkwasser. Auch die Anlegung eines Eislaufplatzes im soge­nannten Wesselényi-Garten" ist sein Werk. Ihm zu Ehren wird ein großer Brunnen an der Nordseite des Ringplat­zes angelegt, der seinen Namen Wesselényi-Brunnen" führt. Ein bedeutungsvolles Jahr auch für die Stadt.
In diesem Jahr am 1. August wer­den die ersten Gemeindewahlen durchge­f
ührt.

 1851 Am 28. November stirbt der größte Sohn der Stadt, der Naturarzt Vinzenz Prießnitz, der dem Ort mit seiner epochalen Kaltwasserbehandlung zur Weltgeltung verhalf.   An seinem Grabe stehen Vertreter der Nationen Europas und beider amerikani­scher Erdteile.

 In einer Verfassungsurkunde wird Schle­sien von Mähren getrennt und als ein selbständiges Kronland erklärt. Es heißt nun Herzogtum West- und Ost-Schlesi­en".

1852 Errichtung einer Privatdruckerei im Hau­se Nr. 136 Stadt. (Juwelier Rudolf Seifert).

1853 Am 4. Oktober werden die sterblichen Überreste des Vinzenz Prießnitz nach dem Gräfenberg überführt und in einem Kapellen-Mausoleum zur ewigen Ruhe beigesetzt.

1860 Am 29. Juli weilt Seine Majestät Kaiser Franz Josef l. von Österreich in der Stadt, um seinen Oheim, den Bayerischen Kö­nig Maximilian II., welcher sich einer Kalt­wasserbehandlung unterzog, herzlich auf österreichischem Boden zu begrüßen. Seine Majestät wohnt im Hause Ring Nr. 68. Nach einem Festessen am Gräfen­berg unternehmen beide Monarchen einen Spaziergang in den Gräfenberger Wald.

1861 Die Stadt sieht sich genötigt, am 13. Juni einen Wachmann anzustellen.

1866 Preußische Truppen marschieren im Bruderkrieg am 22. Juni in die Stadt ein und errichteten im Hause Nr. 3 Freiheit (Konditorei Täuber) ein preußisches Post­amt. Das Militär hält strenge Zucht und so kommt es zu keinen Ausschreitungen. Die männliche Bevölkerung ist ins Ge­birge geflüchtet. Damit die Feldarbeiten nicht unterbrochen werden, gibt der Kom­mandant den Befehl, den Frauen bei ih­rer Feldarbeit zu helfen.

1871 Gründung der Städtischen Sparcassa, des Frauen-Wohltätigkeitsvereines und der Freiwilligen Feuerwehr.

1872 Bau der zweistöckigen Mädchen-Volks­- und Bürgerschule.

1875 Oberkaplan Ignaz Thienel gibt ein kath. Wochenblatt Der Volksbote" heraus.

1878 K.u.k. Bezirksarzt Dr. Moritz Friemel legt den Grundstein zum ersten Krankenhaus.

1881  Feierliche Grundsteinlegung zur evange­lischen Pfarrkirche am 13. Oktober. Der kgl. Hofbaudirektor Martin von Camenz entwirft den Plan zu einem romanischen Gotteshaus.

Aus Marseiile läßt sich der weibliche Or­den der Ursulinen" in der Stadt nieder. 1. Oberin ist Mater Henrika Pfeiffer. Der Orden dient zur Heranbildung und Erzie­hung der weiblichen Jugend.
Am 26. April findet die Gr
ündungsversamm­lung des Vereines Mährisch-Schlesischer Sudetengebirgsverein" im Hotel KRONE statt. Präses ist k.u.k. Oberleutnant Jo­hannes Ripper, Schwiegersohn des ver­storbenen Naturarztes Vinzenz Prießnitz

1882 Umbau der katholischen Pfarrkirche. Die Kirche besitzt sieben Votivfenster mit Ti­roler Glasmalerei.

1883 Das neu errichtete evangelische Gottes­haus wird am 15. Oktober eingeweiht und der erste Pfarrer installiert. Dem durch Superintendenten Dr. Haase voll­zogenen Weiheakt wohnen u. a. die Her­zogin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin mit ihrer Tochter Charlotte und der k. u.k. Landespräsident von Österreich-Schlesien, Marquis de Bacquehem bei.

1888 Festliche Eröffnung der Eisenbahnstrecke Ziegenhals - Freiwaldau - Nieder-Lindewiese. Die Stadt trägt reichen Flaggen­schmuck. Am 1. Februar gegen Mittag fährt der 1. Zug von Ziegenhals in der Station ein, wo eine unübersehbare Men­schenmenge harrt. Böllerschüsse er­schallen und tausend frohe Heilrufe er­klingen. Im Saal der Bürgerlichen Schützengesellschaft" findet unter dem Vorsitz des k.u.k. Landespräsidenten eine Festtafel statt.

Auf Grund einer Petition von Kurgästen an die k. u.k. Schlesische Landesregierung in Troppau wird die Bezeichnung der Sta­tion Freiwaldau" in Freiwaldau-Gräfenberg" umbenannt.

Vom 25. August bis 8. September findet eine große Regional-Ausstellung neben dem Haus der Bürgerlichen Schützenge­sellschaft" statt. Ausgestellt werden Ma­schinen und Geräte, Technik, Garten- und Obstbau, Gewerbe und Industrie, Forst­wirtschaft und Viehzucht. Aufforstung des Stadtwaldgebietes: 85000 Fichten, 8000 Tannen, 6000 Lär­chen, 15000 Birken u. 500 Kiefern werden gesetzt. Die Kosten betragen 688 Gulden.

1890 Eröffnung des Hedwigsaales.

1891  Eröffnung des Kaiserin-Elisabeth-Kran­kenhauses" durch den Frauen-Wohltätig­keitsverein.

1893 Einführung der Kronen-Währung in der österreichisch - Ungarischen Monarchie. Eröffnung des Kaffeehauses Philipp Klein, Ring Nr. 66.

Gründung des Gesang- und Musikver­eines" am 20. Juli. 1. Obmann ist der Fa­briksbeamte Philipp Heide.

1897 Eröffnung der Kaiser Franz-Josef-Hochquellen-Wasserleitung." Die Stadt nimmt in hygienischer Beziehung den ersten Platz in Österreich-Schlesien, einen her­vorragenden Platz in der österr.-ungari-schen Monarchie ein.

In der ersten Hälfte des Monates August findet in den Räumen der Knaben-Volks- ­und Bürgerschule eine Ausstellung: Alt-Freiwaldau" statt. Organisator ist der sehr verdienstvolle Oberlehrer Adolf Kettner. Der Deutsch-Völkische Turnverein" hält am 6. und 7. Juni bei der Gasanstalt ei­nen Gautag ab.

1898 Im Hause Stadt Nr. 239 in der Schulgasse errichtet Herr Dir. Rudolf Sternadel ein Pädagogium.

1899 Durch die Section Freiwaldau desMährisch-Schlesischen Sudetengebirgsvereines" findet die Eröffnung des Aussichtsturmes auf der Goldkoppe, 908 m ü. d. M., statt. Auf Vorschlag des Hotelbesitzers Edmund Wolf erhält der Turm den Namen: Frei­waldauer Warte".

Am 10. Februar stirbt in Wien der Histo­rienmaler Carl Goebel. Der Verstorbene war Kurgast unter Prießnitz. Goebel zeichnete zahlreiche Bilder und Aquarelle aus dem Kurleben der Stadt.

1900 In der Gemeindeausschuß-Sitzung vom 19. Oktober regt Stadtpfarrer Josef Neu-gebauer die Gründung eines Museums an.

 

1901  Das städtische Gaswerk wird am 15. Dezember in Betrieb genommen.

 

1902 Das k.u. k. Bezirksgericht übersiedelt vom Ringplatz Nr. 65 ins neue Amtsgebäude auf der Kolonie Dittrichstein.

1903 Großes Hochwasser. Ganze Stadtteile werden schwer verwüstet.

1905 Feierliche Eröffnung des Städtischen Mu­seums.

Der Friedhof auf der ehem. Hintergasse wird aufgelassen und zu einem Eislauf­platz vorbereitet.

1906 Durch  hochherzige  Schenkung  der  Fa. Regenhart & Raymann wird der Josefs­garten Eigentum der Stadt. Eröffnung des Kurhauses ALTVATER.

1907 Die Bürgerliche Schützengesellschaft be­zieht ihr neues Schützenhaus.

1909 Die Stadtgemeinde widmet ihrem größten Heimatsohn, Vinzenz Prießnitz, im Stadt­park ein monumentales Denkmal. Der Gemeinderat Dr. med. Emil Hauck wird zum Bürgermeister seiner Heimat­stadt gewählt.

1910 Das vom Bürgermeister Dr. Hauck ange­regte Versorgungshaus (Altersheim) wird seiner Bestimmung übergeben.

1911  Das Prießnitz-Sanatorium am Gräfenberg, ein drei Stock hoher Luxusbau, wird fei­erlich eröffnet.

1912 Der in Prag im Alter von 82 Jahren ver­storbene Schwiegersohn des Vinzenz Prießnitz, k.u. k. Hauptmann a. D. Johannes Ripper, wird überführt und am Communal-Friedhof beigesetzt.
Ein ehem. Fotograf er
öffnet im 1. Stock des Gasthauses Lichtenstern in der Bräuhausgasse Nr. 178 eine kinomatografische Vorstellung.

1913 Die Postautobusstrecke Freiwaldau-Roter Berg wird in Betrieb genommen. Im  Altvatergebirge  werden  die  ersten Gemsen aus der Steiermark ausgesetzt. Im Schuljahr 1913/14 wird die 1. Klasse der k.u. k. Unterrealschule eröffnet. Der  katholische Volksverein veranstaltet im Katholischen Vereinshaus auf der Frei­heit Nr. 63 eine Erinnerungsfeier an die 100.  Wiederkehr  der  Befreiungskriege und deren Sieg über Napoleon.

1914 Am 31. Juli, um 4 Uhr nachmittags wird die allgemeine Mobilisierung proklamiert. Der Krieg gegen das Königreich Serbien sollte eine Vergeltung für die Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares Erzherzog Ferdinand und Gemahlin sein, die in Sarajewo am 28. Juni von serbischen Nationalisten erschossen worden waren.

1915 Für das  Kriegsfürsorge­amt in Wien werden   von  der Jugend  Erdbeer-  und Brombeerblätter  gesammelt. Die Metall-Sammlungen für Heereszwecke nehmen ihren Anfang. Hotelbesitzer   Edmund   Wolf   gestorben. Der Verstorbene war seit 1884 Mitglied der Gemeindevertretung und hat sich um die Entwicklung der Stadt bleibende Ver­dienste erworben.

Das k.u. k. Post- und Telegrafenamt über­siedelt vom Haus Stadt Nr. 69 ins neue Amtsgebäude in der Poststraße.

1916 Seine k. und k. Apost. Majestät Kaiser Franz Josef l. ist um 9 Uhr abends im Schloß Schönbrunn sanft in dem Herrn entschlafen. Groß ist die Trauer in der Bevölkerung. Es werden Fleischkarten eingeführt.

 Bürgerschuldirektor Adolf Kettner und Volksschullehrer und Chormeister Ewald Fröhlich treten in den Ruhestand.

1917 In der Gemeinderatssitzung vom 6. De­zember wird auf Antrag des Gemeinde­rates, Herrn Dr. jur. Karl Hielle, die Un­übersetzbarkeit des Namens Freiwaldau unter Wahrung des deutschen Charakters einstimmig beschlossen. Die k.u. k. Unterrealschule wird in ein Staats-Reformrealgymnasium" umge­wandelt.

1918 Im Herbst grassiert eine Grippe-Epidemie und fordert zahlreiche Opfer. Am 11. November dankt der letzte Kai­ser von Österreich, Karl IV., ab. In der Bevölkerung herrscht große Unruhe, was mit Österreich geschehen wird. Am 3. November wird eine Versamm­lung abgehalten, in der Stadtrat Jokl, Troppau, über die Lage des Sudetenlan­des spricht. Er warnt die Bauern vor dem Schwarzschlachten, warnt die Sol­datenräte vor Übergriffen; die Unterhalts­beiträge werden weiter gezahlt, die Steu­ern sollen auch weiter entrichtet werden. Großer Beifall. Nachher wird die Angelo­bung der VOLKSWEHR vorgenommen. In einer Versammlung im Hedwigsaal, von heimkehrenden Frontsoldaten einberufen, an der Prof. Dr. Leopold Widerhofer die Versammlung eröffnet und die Auflö­sung Österreich-Ungarns schildert. Der Redner schildert die Notwendigkeit einer Sicherungstruppe, einer VOLKSWEHR. Als Soldatenräte werden gewählt: Haupt­mann Ernst Hackenberg, Leutnant Scheit­hauer, Offiziers-Stellv. Gustav Thomasch, Drechslermeister Adolf Wotke, Hermann Bartetzki, Karl Heller, Alfred Grüner, Hermann Korzer, Wilhelm Langer und Hein­rich Zacher.

Im Rathaussaale findet eine Versammlung aus Vertretern aller Stadt- und Landge­meinden statt. Den Vorsitz führt Bürger­meister Dr. Emil Hauck; Sprecher ist Prof. Martin Karner-Weidenau. Nach gründlicher Durchsprache werden folgen­de Beschlüsse gefaßt:

Die staatliche Zu­gehörigkeit zum provisorischen Sudeten­land, Ablehnung eines Gelöbnisses auf den tschechoslowakischen Staat und Zu­ziehung von Vertretern der Arbeiterschaft.

1919 Am 19. Jänner vormittags besetzt ein Trupp tschechischer Soldaten unter Füh­rung italienischer und französischer Le­gionäre mit zwei leichten Feldgeschützen die Stadt und nehmen an der Südseite des Rathauses Aufstellung. Zu Zwischen­fällen kommt es nicht in der sicheren Er­wartung, daß auch den Deutschen von Böhmen, Mähren und Österreich-Schlesi­en das Selbstbestimmungsrecht zuer­kannt werden wird, das der amerikani­sche Präsident Woodrow Wilson feierlich verkündet.

 

Aus Protest gegen diese sichtliche Ver­gewaltigung der Stadt legen der k.u.k. Be­zirkshauptmann, Baron von Weichs zur Wenne, und der Bürgermeister der Kur­stadt, Dr. med. Emil Hauck, ihre Ämter nieder.

Die Marmortafel an der ehem. k. k. Be­zirkshauptmannschaft, welche zum Ge­denken an die 60jährige Regierungszeit des Kaisers Franz Josef l. im Jahre 1908 feierlich enthüllt worden war, muß auf Befehl der tschechischen Bezirkshaupt­mannschaft entfernt werden. Deutsche Maurer entfernen am 28. Mai um 10 Uhr vormittags die Marmortafel. Diese Mar­mortafel wird von der Stadt übernom­men und im städt. Museum hinterlegt. Auf Anordnung der Bezirkshauptmann­schaft muß am 22. November das Bild des Kaisers Franz Josef l. vom Sitzungs­saal entfernt werden, das im städt. Mu­seum aufbewahrt wurde. Die Bevölkerung der Stadt wird am Ostermorgen mit ausgestreuten Flugblät­tern mit dem Wortlaut überrascht: Sude­tenländer, harret aus, Eure Befreiung naht!"

 

Die tschechische Prager Regierung führt eine Banknoten-Abwertung durch: 1 österr. Banknote von 10.- Kronen wird auf 1 tschechische Krone abgewertet. Groß ist die Verzweiflung der Sparer und Alt-Pensionisten, die nunmehr das letzte Spargeld zum Leben verloren ha­ben und dem Elend ausgesetzt sind. Als am 4. März in allen Bezirksstädten deutsche Kundgebungen nach Zuerken­nung des Selbstbestimmungsrechtes auch für die Deutschen in diesem Zwangsstaat abgehalten werden, kommt es in Städten wie Sternberg, Kaaden u. a. zu blutigen Zwischenfällen; tschechische Gendarmerie schießt in die Menge, die ohne Waffen ist. Der Haß gegen die tsche­chischen Bezwinger nimmt seinen Anfang.

1920 Am 29. August eröffnete die Stadt ein Ki­no.

1921 Anläßlich der günstigen Abstimmung für die Deutschen Oberschlesiens veranstal­ten am 21. März patriotische Menschen am Ringplatz vor dem Kaffeehaus eine Treue-Kundgebung.

Ein Hochwasser richtet am 31. Mai große Schäden an.

1923 Weil sich deutsche Burschen weigern, im tschechischen Heer Dienst zu leisten, verhängt die Bezirkshauptmannschaft über die Stadt und Bezirk das Standrecht, das sehr einschneidende Maßnahmen mit sich bringt.

1924 Die technische Abteilung des Grenzjäger-Bataillons Nr. 7 hört mit ihren Spulen-Apparaten Radiomusik aus Deutschland. Zum Abhören sind Kopfhörer erforderlich. Im Kaffeehaus wird unter Kapellmeister Johann Schubert täglich abends Musik für die Gäste eingeführt.

1925 Auf der ehem. Raymann-Wirtschaft wer­den die ersten Villen gebaut.

1926 Mit 1. Jänner wird der letzte deutsche Bahnhofsvorsteher, Alfred Rath, vorzeitig in den Ruhestand versetzt; er war Vor­stand seit 1913.

Große Trauer bemächtigt sich der Bevölke­rung. Am 1. Mai stirbt nach kurzem Kranksein Prälat und Stadtpfarrer Josef Neugebauer, Begründer des städtischen Museums.

1928 Bei Erdarbeiten auf dem Grundstück des Konditormeisters Gideon Täuber nächst dem Ursulinenkloster finden Arbeiter ein Gefäß mit Goldmünzen aus der Zeit der Kaiserin Maria Theresia. Die Münzen sind aus reinem Gold und leicht biegsam.

1929 Große, sibirische Kältewelle. Das Ther­mometer fällt bis auf minus 40 Grad C.

1930 Einführung des Tonfilmes in der Stadt.

1931  Von der Koppenpromenade am Gräfenerg können Spaziergänger ein einmali­ges Schauspiel erblicken. Gegen 20.15 Uhr überfliegt das stolze Luftschiff GRAF ZEPPELIN von Ziegenhals entlang der deutsch-tschechischen Staatsgrenze das Gelände gegen Norden zu in Richtung Breslau.

Am 13. Jänner stirbt Grundbuchdir. i. R. Anton Fiedler. Der Verstorbene hat sich über Jahrzehnte in der Stadtverwaltung große Verdienste in Rechtsfragen erwor­ben. Er wird in einem Ehrengrab der Stadt beigesetzt.

1932 Eröffnung des städtischen Freibades auf der Kolonie Dittrichstein. Es kostet 2 1/2 Millionen Kronen und gehört zum zweit­modernsten Freibad des Staates. Bürgerschulkatechet und Pfarrer Franz Xaver Gröger ist am 11. November an ei­nem Schlaganfall unerwartet gestorben. Der Verstorbene gehörte zu den besten Heimatforschern und gab außer heimat­geschichtlichen Büchern zahlreiche hei­matkundliche, im Deutschen Volks­freund" veröffentlichte Aufsätze bekannt. Der Vater der Ortsgeschichte der Stadt Freiwaldau", Bürgerschuldirektor Adolf Kettner, stirbt am 19. März. Ihm ist es zu verdanken, daß die Stadtgeschichte aus der Vergessenheit ans Tageslicht kam. Aus seiner Feder stammen zahllose Auf­sätze in allen In- und Auslandszeitungen.

1934 Im hohen Alter von 80 Jahren stirbt Edu­ard Katzer, wohnhaft Gärtnergasse 45; er war der letzte Postkutscher in der Stadt, der das Posthorn blies, wenn er vom Bahnhof zum k. k. Postamt fuhr.

1935 Ein leichtes Erdbeben wird am 24. Juli um 23.30 Uhr in der Stadt verspürt. Ein fernes, dumpfes Rollen war erkennbar.

1936 Alt-Bürgermeister Dr. med. Emil Hauck wird am 21. Juni beerdigt. Der Verstor­bene war der Gründer des Staats-Re-formgymnasiums und hat sich um die Stadt größte Verdienste erworben. Zum Zei­chen höchster Verehrung tragen die Gas­lampen Trauerflor und eine unüberseh­bare Menschenmenge gibt dem teuren Toten das letzte Geleit. Vier chargierte Oppaven" kreuzen ihre Degen über dem Grab, das acht Schützenfahnen umgaben.
Aus Anla
ß des hundertjährigen Bestehens des Postamtes gibt der Direktor einen ro­ten Sonderstempel heraus.
1938 Gro
ßkundgebung der Sudetendeutschen Partei am Sportplatz des Deutschen Turn­vereines zum 1.-Mai-Feiertag.
Die Ortsgruppe der Christlich-sozialen Volkspartei h
ält am 7. April bei ihrer Selbstauflösung die letzte Sitzung ab. Im Schlußprotokoll steht folgender hand­schriftlicher Vermerk: Die äußere Form ist wohl zerbrochen, geblieben ist der Kern. Prof. Josef Ehrlich, letzter Obmann der DCV, Ortspartei Freiwaldau".
Am 15. September spontane Kundgebung am Ringplatz. Die Menge singt
obwohl die tschechische Staatspolizei stark ver­treten ist das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied. Zu Zwischenfällen kommt es nicht.

 

Durch die politisch zugespitzte Lage lei­teten die Tschechen eine Verhaftungswel­le ein; die deutschen Männer und Burschen   entziehen sich ihr durch Übertritt ins Reich, wo sie im Sudetendeutschen Freikorps" eingegliedert werden. Um das Abhören deutscher Nachrichten aus dem Reich zu verhindern, läßt die tschechische Bezirksbehörde die Eigen­tümer von Radiogeräten auffordern, ihre Apparate unverzüglich im Hedwigsaal ab­zuliefern.

 6. Oktober. Einzug deutscher Befreiungs­truppen. Das 49. Infanterie-Regiment Breslau unter dem Kommandanten Oberst Schmidt marschiert mit klingendem Spiel in die Stadt ein, herzlich willkommen ge­heißen von einer Abordnung prominen­ter Persönlichkeiten. Die Stadt hat reichlichen Blumen- und Girlanden­schmuck angelegt. Überaus glücklich sind die Menschen, nach zwanzigjähriger Knechtschaft wieder als Deutsche dem deutschen Vaterlande angehören zu dür­fen.

Das Postamt gibt zu dieser historischen Stunde einen Sonderstempel mit der Auf­schrift heraus: Die freie sudetendeut­sche Stadt Freiwaldau". Am 1. November nimmt der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei, Hein­rich Himmler, kurzen Aufenthalt, am 14. November der Gauleiter Ing. Rudolf Jung und trägt sich in das Goldene Buch der Stadt ein.

Freiwaldau wird wieder deutsche Garni­son. Das Ergänzungs-Bataillon Nr. 28 (Oppeln O/S) bezieht die Kasernen.

1939 Aus dem Jubel der Begeisterung über die großen Siege der Deutschen Wehrmacht in Polen tritt mit der Kriegserklärung an die Sowjetunion ein gedämpfter Optimis­mus ein. Immer mehr Männer werden zum Heeresdienst eingezogen und die er­sten Verlustmeldungen erscheinen. Die Ortsgruppenleiter oder ihre Stellvertreter haben die Aufgabe bekommen, den An­gehörigen die Trauerbotschaft in geeig­neter Weise zu überbringen.

1945 Am 8. Mai legt der letzte Bürgermeister des Prießnitz-Kurortes Freiwaldau-Grä-fenberg sein Amt nieder, die Russen nehmen von der Stadt militärischen Besitz. Die nachfolgenden Tschechen, zumeist der Mob, bereichern sich an den vorhan­denen deutschen Schmucksachen, Wä­sche, Möbel usw.  Konzentrationslager entstehen, worin man alle Deutschen einbringt, die eine Funktion in Organisationen bekleidet haben.  Die men­schenunwürdigen Quälereien und sadisti­schen Torturen beginnen, denen eine Rei­he Freiwaldauer zum Opfer fallen. 1945/46 erfolgt die systematische Aus­raubung der Deutschen. Mit Viehwagen, wie Tiere werden die Entrechteten in die Besatzungszonen ausgetrieben.

1946 Etwa dreihundert Menschen aus Frei­waldau und Umgebung werden in einem Elendstransport nach Kirchheim unter Teck eingewiesen und dort seßhaft ge­macht; irrtümlich wird die zweite Hälfte des Transportes nach Hessen umgeleitet.